WiWaWinterferien-Teil2: Einmal quer durch Dänemark und mehr oder weniger wieder zurück.
Erstmal will ich mich dafür entschuldigen, dass seit dem letzten Blogeintrag mal wieder soviel Zeit verstrichen ist, aber irgendwie kam ich zu überhaupt nichts. Erst hatte ich Besuch um den es sich zu kümmern galt und dann war ich mit einer kindergartenähnlichen Gesellschaft in Berlin, also den Freiwilligen aus dem Café ich dem ich arbeite aber dazu (hoffentlich) an einer anderen Stelle mehr.
Wo waren wir beim letzten Mal stehen geblieben ach ja, am Bahnhof von Odense. Mit dem Erscheinen Nils machten sich zwei Gefühle in mir breit. Erstens war ich ziemlich sicher das ich in den richtigen Zug stiegen, aber nun war das auch plötzlich von viel größerer Bedeutung als vorher. Außerdem freute ich mich auch einfach so Nils zu sehen. Nun ging es erstmal nach Møldrup, das ist auf Jütland, also dem dänischen Festland relativ in der Mitte, man könnte auch einfach sagen es liegt ziemlich in der Pampa. Bei Møldrup handelt es sich um einen riesengroßen Männerspielplatz, offiziell getarnt als Auffangstelle für männliche Alkoholiker. Diese Verkleidung hält aber keiner genaueren Betrachtung stand, man Arbeitet wenn man Lust hat, sonst arbeitet man nicht, die “Arbeiten” reichen von einem Sägewerk in dem man mit großen lauten Maschinen Holz in Kleinteile zerlegt und danach wieder zusammen baut, bevorzugt werden in Möldrup hierbei Paletten für Gabelstapler und Kartoffelkisten in jeder Größenordnung, die man über all auf dem Gelände verteilt vorfindet. Dann gibt es einen Bauernhof mit Kühen, ganz vielen Traktoren, eine Co-Kart-Bahn, einen Fischersee, eine Bäckerei, eine Werkstatt in der man alles was man kaputt gemacht hat wieder reparieren kann und zur Zeit bauen sie noch an einer Fleischerei. An jeder dieser Arbeitstellen kann man solange werkeln wie man will, dann man wieder was andres machen oder gehen oder oder oder… Untergebracht waren wir bei, Zoltan und Margit, zwei ungarischen Freiwilligen, die Nils und ich von unseren gemeinsamen Seminaren kennen. Zoltan erklärte uns bei dem morgendlichen Rundgang, mit einem sehr verdächtigen Funkeln in den Augen, wie alles funktioniert, das Wärmekraftwerk, die Molkerei, das Sägewerk usw. Danach tappten Nils und ich noch ein wenig auf eigene Faust durch das verschneite Gelände. Plötzlich standen wir vor einem Rollstuhlfahrer mit einer Krücke in der Hand, mit welcher in einem Gebüsch rumwühlte, in dem sich wiederum ziemlich viel Schrott befand. Auf unserer Hilfsangebot meinte er, in einem Englisch, mit unglaublichem britischen Akzent: ” The thing with the wheels.” [Das Ding mit den Rädern] und deutete auf ein schwer zu sagen, nun ja Ding mit Rädern halt. So ein Gestell auf das man kleine Taschen tun kann die man dann hinter sich herzieht. Wie auch immer natürlich tat ich mein Bestes um an dieses Teil ranzukommen, wobei er dieses Satz ziemlich stur wiederholte, da er scheinbar davon ausging, ich hätte ihn nicht so ganz verstanden, während ich erstmal einmal um das Gebüsch herum lief über einen Container kletterte, ich weiß klingt jetzt irgendwie ziemlich bescheuert, aber ich fand diesen Weg irgendwie praktischer und schaffte es tatsächlich das Ding mit den Rädern aus dem anderen Müll heraus zu kramen, wodurch am Ende alle glücklich waren. Zurück blieb nur die Frage wozu ein ca. 60 Jähriger britischer Rollstuhlfahrer in der dänischen Pampa ein Rollgestell braucht. Auf dem restlichen Rundgang besichtigten wir eine kleine leere Kirche, ihren Dachboden und den Glockenturm, dann starrten wir noch ziemlich lang Kühe an, die ihrerseits uns anstarrten, gleichzeitig unterhielten wir uns darüber wie sinnlos es ist Kühe anzustarren, ich nehme an die Kühe muhuten über ein ganz ähnliches Thema.
Am Nachmittag kümmerten sich Margit und Zoltan wieder um uns, wodurch unsere Aktivitäten etwas an Sinn gewannen, so ging es mit dem Auto ans Meer, genauer nach Ringkøbing an der dänischen Nordseeküste, dort sah ich zum zweiten mal in meinem Leben das Meer im Winter diesmal bei nicht ganz so gutem Wetter, danach ging’s gleich ins Wasser, glücklicher weise im Hallenbad, nach einem Fachgespräch über die Vorteile von Jacuzzis im Winter neigte sich unser Møldrupaufenthalt leider auch schon dem Ende denn am nächsten Morgen traten Nils und Ich unsere Reise ans Ende der Welt an, zumindest der dänischen. Mit dem Zug nach Skagen, an der Nordspitze Dänemarks dort wo die Wellen der Nordsee auf die Wellchen der Ostsee treffen. Nach ein paar Stündchenzugfahrt mussten wir aber erstmal unsere Herberge finden, das Wetter war mittlerweile eher ungemütlich, das Land zeigte uns definitiv seine windige Seite, dachten wir zu diesem Zeitpunkt noch. Bei der Wegfindung könnte man behaupten wir wären etwas im Kreis gelaufen, ich würde sagen wir wussten nur nicht an welchem Ende der Straße sich das befand, es war halt am falschen. Wir übernachteten in einer Ferienwohnung im Keller die normalerweise an Sommertouristen, von denen Skagen ne Menge hat, vermietet wird. Mittlerweile war es schon später Nachmittag und wir wollten nur noch kurz zur Nordspitze die ca. 2 km außerhalb Skagens liegt laufen. Wir waren keine 100m aus dem Städtchen draußen, da wurde uns klar das es wohl nichts wird, nun zeigte sich Dänemark von seiner windigen Seite, gleichzeitig stand ich Knietief im Schnee, Nils reichte er auch bis zu den Unterschenkeln, enttäuscht, ziemlich verweht und etwas verkühlt kamen wir zurück in die Wohnung machten uns erstmal Abendessen und schmiedeten bei deutschen Fernsehen, Pläne wie wir es morgen schaffen würden bis ans Ende der Welt zu laufen.
An besagtem Samstag schneite es und es wehte und war insgesamt ziemliches „Ich will lieber zuhause bleiben.“ Wetter. Wir gingen in der Hoffnung das es schon noch etwas schöner werden würde erstmal ins Kunstmuseum wo die Weltberühmten Skagenmaler ausgestellt sind. Dort waren viele Bilder von Fischern an sommerlichen Stränden, sommerliche Stränden ohne Fischer und sommerlichen Fischern ohne Stränden. Auch farbenfrohe Gärten waren ein beliebtes Motiv, an den Fenstern tummelten sich die Eisblumen.
Es hilft ja alles nichts, wer nach Skagen fährt muss auch die Spitze gesehen haben. Der Vorteil des starken Gegenwindes war die Gewissheit, dass er falls wir erfieren würden sicher unsere Leichen nach Skagen zurück tragen würde und das der Rückweg wohl ziemlich leicht sein würde. Der Nachteil war man kam nicht voran, es war kalt, man kam nicht voran und die kleinen aufgewirbelten Schneekügelchen verwandelten sich in Geschosse die auf das Gesicht den einzigen nicht geschützten Teil des Körpers einprasselten, hatte ich schon gesagt das man nicht sonderlich schnell voran kam. Auf dem letzten Parkplatz ca. 800m vor der eigentlichen Spitze schlugen wir unser Basislager auf, sprich wir setzten uns kurz an eine etwas windgeschützte Ecke hinter einem Kiosk. Die Ziegerade war ein endloslanger Strand, an dessen Ende ein paar Eisklumpen aus dem Matsch ragten, der Lohn war die Gewissheit, dort gewesen zu sein, ein doch atemberaubendes Panorama aus Wellen und vor allem eine Erfahrung die sonst nur arktische Forscher erleben. Als wir das alles ausgiebig fotografiert hatten wurden wir wirklich sprichwörtlich nach hause geweht. Für den Hinweg hatten wir ca. 2 Stunden gebraucht, zurück ungefähr ne halbe.
Wir packten schon mal Alles zusammen den wir wollten an diesem Tag noch nach Kopenhagen zurück, doch dann erhielten wir die Nachricht, dass aufgrund des Schneesturms leider keine Züge mehr von Skagen aus fahren würden, dass wir also bis auf Weiteres hier verweilen würden. Mit einem Blick auf den flimmernden Bildschirm meinte Nils: ” Wir sitzen fest am Ende der Welt und unsere einzige Verbindung nach außen ist ein Fernseher auf dem Kochshows mit Kindern laufen.” So saßen wir rum, das Fernsehprogramm änderte sich zum Glück noch zum Positiven. Wie das so ist wenn man machtlos über äußere Umstände ist, gammelten wir einfach nur noch rum, was anderes blieb uns ja auch nicht übrig, die Chancen darauf dass der Zug am nächsten Tag fahren würde, standen zu diesem Zeitpunkt auch noch relativ schlecht, so machten wir es uns gemütlich und verfielen ab und zu in ironisches Gelächter über unsere Situation.
Am nächsten Tag fuhr der Zug dann doch also fast. Es fing erst positiv an in Skagen startete der Zug , am nächsten Bahnhof jedoch kam er dann nicht weiter, worauf der Zugführer durch die Lautsprecher verkündete, dass wir etwas Anlauf nehmen müssten um durch die Schneedüne vor uns durch zu kommen, dieser Plan klappte dann sogar und wir kämpften uns von Station zu Station, dann fuhren wurden wir plötzlich langsamer und hielten mitten auf einem Bahnübergang, wir waren an einem Bahnhof vorbei gefahren mussten also noch mal ein Stückchen zurück, als wir dann kurz vor Fredrikshavn unserem Endbahnhof waren, meldete sich der Zugführer ein weiters Mal zu Wort. Wir müssten warten, weil ein Zug auf unserem Einfahrtgleis steckengeblieben war oder so ähnlich, kurz darauf fuhren wir dann doch ein. Damit hatten wir das erste kleine Stückchen geschafft, von Fredrikshavn fuhr dann leider wirklich kein Zug, wir stiegen deswegen erstmal in einen Bus, der uns weiterbringen sollte, da wir aber nur nach Westen fuhren, aber ja nach Südosten mussten, war Nils sich dann doch nicht so sicher ob wir richtig sind, ich fand Bus fahren auf jeden Fall toller als am Bahnhof rum sitzen. In Hjørrning, welches wirklich westlich von Fredrikshavn liegt, stellten wir fest, das dies wohl die einzige verfügbare Richtung gewesen war also ganz richtig. Von dort fuhr dann ein Zug nach Ålborg. Es dämmerte schon als wir in Ålborg ankamen. Hier fanden wir endlich ein Zug direkt nach Kopenhagen, in dem wir dann die nächsten 6 Stunden verbrachten insgesamt waren wir 11 unterwegs und es war schon Montag als ich wieder in der Skindergade in mein Bett fiel und mein Winterurlaub zu Ende war. Mit nur 4 Stunden und einem Tag Verspätung.
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- WiWaWinterferien-Teil2: Einmal quer durch Dänemark und mehr oder weniger wieder zurück.
- WiWaWinterferien – Teil 1: Allein in einer fremden Stadt
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