Dänemark

- Ich bin dann mal 12 Monate außer Landes

Das Kopenhagen, das ich niemlas hatte

Als ich erwachte, musste ich mich erstmal orientieren. Mein leicht steifer Hals lies darauf schließen, dass es nicht in meinem Bett war. Dann fiel mir wieder die Uhr auf, deren Ticken mich ein paar Stunden früher fast in den Wahnsinn getrieben hatte. Erstmal raus finden wie spät es ist, ohne Brille blieb mir nur das Raten. Entweder kurz vor eins oder kurz nach 9. Das Letztere passte viel besser in meinen Zeitplan, deswegen entschloss ich mich dafür. Erstmal ins Bad, da schien Hanna aber noch nicht ganz fertig zu sein, also wieder zurück ins Wohnzimmer (mein Schlafplatz) und möglichst beschäftigt wirken. Wie macht man das Schlaftrunken, mit einem Handtuch um die Hüfte, ohne irgendwas zu tun? Ich kniete mich vor meinen Reiserucksack, was nicht um bedingt so brillant (Das wird wirklich nur mit einem i geschrieben verrückt.) war, kurz darauf kam Hanna rein und sagte mir ich könnte ins Bad, wenn ich wollte. Super, gerettet.  Kurz darauf, angezogen, voller Lebensenergie mit dem Laptop auf dem Schoß die Nachrichten studierend, hatte ich meine zweite Begegnung mit Hanna. Sie stellte sich vor, entschuldigte sich für den Lärm den sie veranstaltet hatte, der mich kaum gestört hatte, also so wenig wie einen per Hand aufgeschäumte Milch, durch heftiges Schlagen auf die Herdplatte mit einem großen Löffel (so klang es zumindest) einen stören kann. Hanna verabschiedete sich wünschte mir noch nenn schönen Aufenthalt und verschwand. Kurz darauf war auch Nils wach, mein eigentlicher Gastgeber, ein anderer deutscher Freiwilliger. Nils arbeitet in einer schwedischen Kirchgemeinde in Göteborg, damit wäre dann auch geklärt wo ich eigentlich war. Hanna war seine finnische Mitbewohnerin, die ich nach dieser etwas peinlichen Begegnung am Morgen nicht wieder sehen sollte.
Ich war ja aber auch nicht gekommen um mich vor Finninnen zu blamieren sondern um mir die Stadt anzuschauen, in welche ich mich schon am Vortag verliebt hatte. Göteborg hat all das, was Kopenhagen niemals haben wird. Von oben betrachtet sieht es weniger aus wie eine Stadt mit 500.000 Einwohnern, es gleicht vielmehr ein paar Häusern und Dörfern die sich in einem Park verirrt haben. Aber viel wichtiger ist die Tatsache, dass man es sich von oben anschauen kann, ja, es gibt Hügel.  Am Donnerstag waren Nils und ich ein Wenig auf diesen rumgekraxelt,  ich hatte meinen ersten und meinen zweiten Elch gesehen, leider beide in Gefangenschaft und im botanischen Garten gelernt was eine Calla  ist. Heute ging es mit der Straßenbahn, die so schön alt und gemütlich durch die Gegend tuckert, dass man eigentlich nie wieder aussteigen will, in Richtung Schären. Diese Inseln vor der Küste Göteborgs kann man, wie für Inseln üblich, am Besten mit dem Boot erreichen.
Dort angekommen fand ich gleich ein paar neue Gründe im Lotto zu gewinnen, so ein Häuschen in dieser Lage, muss zumindest im Sommer einfach herrlich sein.
Am Samstag goss es dann leider wie aus Gießkannen, was jedoch auch eine gute Sache hatte, ich entdeckte den praktischen Nutzen eines Regenschirms, gleichzeitig stellte ich fest, das sie gar nicht so total bescheuert aussehen müssen wie ich immer dachte, dazu eine kleine Ausführung:
Knarrend öffnet sich die Tür der Straßenbahn. Schlak! Nach einem kurzen Knopfdruck fährt sich der Regenschirm aus und ragt nun gute 50 cm aus dem Wagon hinaus. 21,22 Eine kleine nicht zu lange, aber auch nicht zu kurze Pause. Schwup! Der Schirm entfaltet sich. Noch in der Entpuppung, tritt man aus der Bahn und schwingt den kleinen Schutzschirm elegant aus der Horizontalen in die Vertikale. Noch bevor man den nassen Boden berührt ist das Kunstwerk vollendet. Hätte man keinen Reiserucksack auf dem Rücken, sähe man sicher auch fast gar nicht bescheuert aus.
Trotz meiner neuen Vorliebe verbrachten wir den Tag lieber im Inneren eines Museums, diese Idee hatte leider nicht nur wir, so schlugen wir uns im Universeum, mit ganz vielen Kinderwagenschiebenden Familien rum, die meinten, dass diese Einrichtung sie als Zielgruppe hat. Stimmt vielleicht auch, aber ich fand es auch ganz interessant einem Sägefisch aus der Nähe zu betrachten, meine Reaktionen im Bremstest zu testen und Codes zu knacken. Obwohl ich sagen muss, das der Sturmsimulator schon ziemlich lahm war, die sollten alle mal im Winter nach Skagen gehen, dann wissen sie was Wind bedeutet.
So, das wäre geschafft ein Blogeintrag vollkommen ohne Essen. Also bis auf diesen Satz.

Mai 17, 2010 Geschrieben von | Uncategorized | 1 Kommentar

   

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