Dänemark

- Ich bin dann mal 12 Monate außer Landes

J(ung)e Woche

Um halb acht klingelte mein Wecker um zehn nach halb neun quälte ich mich dann aus dem Bett, ich hatte jetzt noch gute 50 Minuten um zu duschen, zu Frühstücken und meine Sachen zu packen, geschickter Weise hatte ich das Zelt schon am Vortag mehr oder weniger in seine Hülle gestopft so blieb mir das wenigstens erspart. Drei Minuten nach halb zehn stapfte ich dann mit meinem vollgepackten Rucksack (Mit dessen Ladung, so war ich überzeugt ich notfalls eine Weltreise unternehmen könnte.) aus der Haustür. Es ging in Richtung Bushaltestelle, wo die war wusste ich zum Glück so grob, ich hatte ja auch noch massig Zeit (27 Minuten). 17 Minuten später stand ich “hinterm Bahnhof” und merkte das diese Ortsangabe äußerst ungenau ist. Zwei vor zehn stand ich dann im Bus und es gab die erste positive Überraschung, Sarah Dedeu eine dänische Freiwillige die einmal die Woche im Cafe K gewesen war, kam auch mit und wies mir zugleich einen Platz neben einem blauen Schal zu. Der wurde später durch eine Freudnin Sarahs ersetzt, welche verschlafen und deswegen eine leicht Verspätung hatte. Wie sie mir heißer erzählte und dazu meinte, dass sie auf Festivals immer ihre Stimme verliert. Viel mehr sollte ich aber nicht mehr von ihr hören denn sie hatte noch ein wenig Schlaf nachzuholen. Ich fand nie heraus was sie eigentlich die Nacht vorher getrieben hatte. Ich las erstmal die ersten Seiten der dänischen Version des kleinen Prinzen und tat es dann ihr gleich, während ich mir vorstellte wie die Schlangen aus Anakonda 1 und2 wohl aussehen würden hätten sie einen Elefanten gefressen… … …
Ein paar Stunden und Raststätten später, kamen wir in Lögumskloster an im Gegensatz zu Kopenhagen wo schon am Morgen die Sonne brannte, sah es hier nach sehr baldigem Regen aus. Wir beeilten uns deshalb zum Zeltplatz zukommen, dort angelangt brach es über uns herein. Keine Zehn Sekunden brauchte das Wasser sich den Weg durch meine Kleidung  zu bahnen, meine “Regenjacke” war irgendwo in meinem Rucksack. In einer kurzen Pause stellte ich mein Zelt auf um dann beim nächsten Regenguss feststellen zu können, dass seine Regenschutzqualitäten nicht sonderlich ausgeprägt waren. Das Gute war ich wurde nicht mehr direkt nass, war ich ja sowieso schon, das Schlechte jedoch es sammelten sich über all am Rand des Zeltes kleine Pfützen die munter größer wurden. Durch die geschlossene Zelttür tropfte es direkt. Ich hockte also in der Mitte meines Zeltes, fühlte mich wie auf einem sinkenden Schiff und plante wie ich meine Isomatte samt Schlafsack so hinlegen konnte, dass ich möglichst wenig nass wurde. Es sollte sich zum Glück herausstellen, dass der Rest der Woche bis auf einen kurzen kleinen Regenschauer absolut trocken werden sollte, so dass auch mein Zelt nachdem ich es wieder trockengelegt hatte eine halbwegs komfortable Unterkunft abgab.
Wenig später brach ich mittlerweile mit “Regenjacke” auf Bjarne zu finden und damit herauszubekommen was ich die Woche eigentlich so treiben sollte (Außerdem hatte ich ein paar Sachen wie Besteck und Teller vergessen, soviel zum Thema Weltreise). Bis jetzt wusste ich nur folgendes: Ich befand mich in Lögumskloster auf “Ung Uge” (dän. junge Woche) irgendwo in Jütland, das Festival war ein Ferienlager für ca. 1000 jugendliche Christen, das von der Organisation veranstaltet wurde die auch hinter dem Cafe stand und ich sollte Bjarne helfen. Als ich Bjarne gefunden hatte erklärte er mir, dass ich ein paar Schichten als Wacht arbeiten sollte und dann immer wenn mir langweilig war ein paar kleinere Dinge erledigen, ansonsten sollte ich rumlaufen und mir das Festival anschauen.  Meine Nachtwachen waren recht ereignislos: Die hielten sich einfach alle an die Regeln meine Aufgabe bestand also darauf aufzupassen, dass die mysteriösen rumänischen Zigeuner nicht die Technik klauen. Ich glaube es gab nie solche Zigeuner. 
Meine Restlichen Aktivitäten waren: Eintrittskarten an Eltern beim Besucher Tag zu verkaufen, ziemlich habbich fast zehn Euro zu verlangen damit die Eltern ihre Kinder sehen können. Ok und natürlich auch noch der Rede einer Bischöfin lauschen. Aufzupassen das die Kids während sie durch ein “Spinnennetz” klettern nicht die Seile berühren. Und sagenhaft eine Eintrittskarte für ein Konzert eines angeblichen dänischen Newcomers zu verkaufen der auf dem Festival auftrat. Dann war ich noch Bühnen-Security, bei einer ziemlich guten Band. Ich hab Milchkästen gestapelt, also so als Turm auf dem ich saß, kam aber nicht sonderlich weit, genauso erfolglos nahm ich beim Papierfliegerweitwurf teil, die andren sahen auch alle etwas besessen aus. Erfolgreicher spielte ich Volleyball und Omnikin. Das ist ein Spiel bei dem man am meisten Punkte dadurch bekommt das die andren Fehler machen, größtenteils da sie vergessen Omnikin zu rufen bzw. es zu spät zu früh oder zu leise rufen. Ansonsten muss man nur aufpassen, dass ein ziemlich großer Ball nicht den Boden berührt und man immer richtig steht. Natürlich saß ich auch in den Verkündigungen wo über Glauben, Zweifel, Gott, Hoffnung und Wunder gesprochen wurde.  Als ein Afghanistanveteran meinte, er sei immer davon überzeugt gewesen das Gott auf seiner Seite war, da die andren ja eh alles nur Muslime waren, begann ich dann doch etwas an den mich Umgebenden zu zweifeln. Mittwoch machte ich mich dann zu meinem eigenen kleinen extra Ausflug auf. Ich hatte herausgefunden das Lögumskloster gar nicht soweit von Flensburg entfernt war und wollte Wiebke besuchen. Wir durchkämmten dann die Phenomenia oder so ähnlich, ein naturwissenschaftliches Erlebnismuseum für Kinder. Das Letztere war sehr wichtig, denn regelmäßig scheiterten Wiebke und ich an den Aufgaben. Ob es darum ginge Sehnen in einem Dinosaurierbein so anzubringen das es stand oder Segelroller gegen den Wind rollen zu lasen regelmäßig scheiteten wir an den kinderleichten Aufgaben. Was nur dazu führte das wir umso mehr freuten wenn wir dann doch mal was schafften wie eine Brücke aus Holzklötzchen zu bauen, Botschaften zu Morsen oder Lichter auszuschalten. An dem viel zu warmen Tag sah ich dann auch noch die Flensburger Innenstadt bevor ich wieder aufbrach erst nach Lögumskloster und nach zwei Tagen dort, an denen ich unter anderem die dänische Variante von Arschloch lernte, wieder hier her zurück nach Kopenhagen.

Juli 26, 2010 Geschrieben von | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

   

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